[Gem]Einsam durch die Wüste.

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Sichtlich gelangweilt sieht mein britischer Freund von seinem Teller zu mir auf, wo ein Viertel Grillhuhn und die schlaffsten Pommes südlich des Äquators um Trostlosigkeit wetteifern. Während er eine weitere Gabel schmatzend in sich hinein befördert, fragt er: „Wen willst Du in San Pedro de Atacama eigentlich besuchen?“ Worauf ich ein knappes „Ne‘ Freundin“ herausbringe. Mit vollem Mund hakt er nach: „Eine Freundin. Uuuund?“
„Naja sie hat mir vor ziemlich genau neun Jahren in Indien einmal das Leben gerettet.“ Weiterlesen

Mut zur Endlichkeit (III): Metamorphose.

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„Die Metamorphose (griech. μεταμόρφωσις = Verwandlung), auch Metabolie (griech. μεταβολή = Veränderung), ist in der Zoologie die Umwandlung der Larvenform zum Adultstadium, dem geschlechtsreifen, erwachsenen Tier (Gestaltwandel).“ Wikipedia

Zielstrebig bahne ich mir meinen Weg über den Plaza Major del Cusco, auf dem sich in der Nachmittagssonne die Touristen tummeln. Für alle, die daran Geld verdienen, rollt jetzt der Rubel. Ein Mann macht mich hartnäckig auf sein Sortiment aus gefälschten Sonnenbrillen und Selfie Sticks aufmerksam. Im Schatten der Kirche eile ich vorbei an den traurigen Damen, die mit Prospekten in der Hand auf ihr Angebot hinweisen: „Nice massage, good price.“ Mit wenigen Schritten umrunde ich eine Gruppe Asiaten. Kameras klicken wild durcheinander. Fast habe ich die andere Seite des Platzes erreicht, als zwei Touranbieter, bewaffnet mit Bildern von glücklichen Touristen am Machu-Pichu, gleichzeitig auf mich losgehen. Ich drücke mich in einen Hauseingang, aus dem mir frischer Kaffeegeruch entgegen weht. Kurz darauf steht ein dampfender Cappuccino vor mir, in dessen Milchschaum die Bedienung ein Herz gemalt hat. Weiterlesen

Mut zur Endlichkeit (II) – Die Heldenreise.

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Fortzetzung von Mut zur Endlichkeit: Eine Annährung.

Mit einem Moment Verzögerung ergießt sich eine Lawine aus Ängsten über das mühsam erbaute Kartenhaus stiller Beobachtung. Dazu reichen also zwei Worte. Mein Kopf fühlt sich an wie ein verschlossener Hühnerstall, in dem der Fuchs zu Besuch ist. Gedanken fliegen wild durcheinander und vom Magen breitet sich eine Enge aus, die kaum Raum zum Atmen lässt. Aus der Unruhe formen sich Fragen wie: Warum denn ich? Ich wollte doch noch… Wann genau denn? Kann ich vorher nicht noch mal…? Weiterlesen

Mut zur Endlichkeit (l) – Eine Annäherung.

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Mit zitternden Fingern taste ich in der Dunkelheit nach dem Handy. Verdammt kalt hier drin. Der Schein des Displays erhellt die Innenseite des Zelts und lässt das gefrorene Kondenswasser glitzern wie im Inneren einer Discokugel. Entgegen meiner Vermutung, es sei bereits früher Morgen, habe ich nur wenige Stunden geschlafen, es ist gerade einmal 0:30. Der kälteste Teil der Nacht liegt also noch vor mir und mein Sommerschlafsack gibt nicht viel Grund zur Hoffnung auf eine gemütliche Zeit bis zum Morgengrauen. Ein aus Atemluft geformter Seufzer verlässt meinen Mund und schwebt als Wolke durchs Zelt. Verdammt kalt hier drin! Weiterlesen

Die Gesichter einer Realität.

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Das offene Ende der Röhre, in der ich mich befinde, umrahmt die milchig trüb-nasse Welt außerhalb meines Unterschlupfs. Nur knapp 200 Kilometer vor der peruanischen Grenze entfernt, mitten im bergigen Niemandsland, war jemand so nett diesen Fremdkörper zurück zu lassen. Gemütlich wäre in dem Zusammenhang wohl der falsche Begriff, aber im Vergleich zu Draußen gewinnt die Röhre zwangsläufig an Charme. Seit Anbruch des Tages sieht der Himmel recht unverändert aus. Weiterlesen

Ecuador (II) – Zu Besuch bei den Recyclistas

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Wie auf einem fliegenden Teppich gleite ich hinab, während sich das metallene Ungetüm, auf dem ich sitze, in Richtung Flussmitte schiebt. Etwas verunsichert, ob ich auf der anderen Seite ankommen werde und was mich dort erwarten wird, umklammere ich meine 5 Taschen so gut ich kann und fixiere mein Fahrrad mit den Füßen. Erst jetzt merke ich, dass das kleine Mädchen mit an Bord ist und irgendwo hinter mir, außerhalb der Gondel, unseren Vortrieb mit rhythmischen Stößen unterstützt. Weiterlesen

Ecuador (I) – Bruder Plattfuß und der Regen.

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Vor mir und Crisa, der Lehrerin bei der ich gerade wohne, stehen zwei Fahrräder und eine Hand voll Kinder mit langen Zöpfen. An diesen besonderen Ort, hoch oben auf 3200 Metern, wurde ich eingeladen, um den Schulkindern der indigenen Gemeinschaft in den ecuadorianischen Anden von meiner Reise zu erzählen und ihnen zu erklären wie man ein Fahrrad repariert. Das dachte ich zumindest. Denn erst als ich dort bin erfahre ich, dass es in der Welt aus der sie jeden Morgen hierher kommen und in die sie abends zurückkehren gar keine Fahrräder gibt.

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Unter Fremden und Freunden.

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Es ist einer dieser kalten Abende, die im März noch vorkommen können. Draußen donnert es und es fühlt sich an, als regnete es schon seit Jahren. Wann der Frühling wohl endlich kommen mag? Die Zeitung liegt aufgeschlagen auf dem Tisch und mit Ärger stellst Du fest, dass die große alte Uhr an der Wand schon wieder falsch geht. Während deine Augen über das traurige Papier gleiten fragst Du dich, wo die Sorglosigkeit und Leichtigkeit frühere Jahre geblieben ist. Ein Klingeln an der Tür bahnt sich den Weg Durch das Geräusch prasselnder Regentropfen am Fenster und die Schicht trüber Gedanken in deinem Kopf. Weiterlesen

Dort wo alle Straßen enden.

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„Ich will ehrlich zu dir sein. Neben all dem Scheiß, der dich im Darien Gap erwartet, solltest Du dir Gedanken um deine Nieren machen, die klauen dort sogar Organe“, erklärt mir Jack mit einem ernsten Gesichtsausdruck und einem Nicken, das erwidert werden möchte. Fürsorglich streichelt er den kleinen Affen, der sich auf seinem Bauch zum Mittagsschlaf verkrochen hat. Die Werbebotschaft kam definitiv an, jedoch verlor ich mich in der Vorstellung wie jemand mit einer Kühlbox voller geklauter Nieren durch den Dschungel läuft. Begleitet von einem kameradschaftlichen Schulterklopfer berichtet er weiter, dass ein guter Freund mit seinem Segelboot heute Nachmittag in See sticht und noch einen Platz frei hat. Das Ziel: Kolumbien zum Sonderpreis von 600$ für mich inklusive Innereien und Fahrrad. Etwas irritiert, aber final ohne Ticket, verlasse ich den stickigen Kabuff in dem Jack und sein Äffchen residieren. Weiterlesen

Die Eroberung des Unnützen (III) – InTEAMitäten

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Ohne den Unfall in der Küche, dessen Spuren mich bis ans Festland begleiten und die kleine Papiertaube, die ich später in mein Tagebuch klebe, wäre es wohl ein ganz normaler Tag auf einem Segelboot gewesen. Die etwas in die Jahre gekommene Rennyacht, auf der ich mich befinde, ist mein insgesamt viertes Schiff und ich hoffe, dass sie mich von den karibischen Inseln an das zentralamerikanische Festland bringen wird. Nach beinahe vier Monaten, die ich aufgebracht habe, um den Atlantik zu überqueren, verschwimmen einzelne Situationen zu einem Wust aus Momenten von Hochs und Tiefs, Einsamkeit und Nähe, Tag und Nacht, Essen und Schlafen. Zeit zur Rückschau einer 8000km langen Segelreise. Weiterlesen

Cosmo Radio

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Seit einigen Tagen drehen sich die Räder meines Recyclingfahrrades nun auf den Straßen Kolumbiens. Pünktlich zur Begrüßung gab es ein Interview mit Cosmo (ehemals Funkhaus Europa) im WDR Radio. Den Mitschnitt findest Du hier.

Die Eroberung des Unnützen (II) – Hafengeflüster

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Genau wie ihre staubigen Verwandten an Land, folgen auch die großen Wasserstraßen, auf denen ich über den Atlantik reise, historisch geprägten Orten. Einst errichtet von mutigen Händlern, Konquistadoren und Entdeckern, waren sie überlebensnotwendige Oasen in der menschenfeindlichen Umgebung der Ozeane. Angeblich hat Kolumbus auf der gleichen Route Amerika entdeckt. Unter Seglern wird sie verniedlicht „Barfußroute“ genannt, denn die Nähe zum Äquator erlaubt Schuhfreiheit. Auch viele hundert Jahre, nachdem die großen Namen wie Kolumbus, Magellan oder Cortez hier lang fuhren, sind Nadelöhre wie die Kanaren, die Kapverden oder die karibischen Inseln, noch immer Anlaufstelle für all jene, die mit dem Wind reisen.

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Die Eroberung des Unnützen (I)

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Als ich auf den kanarischen Inseln nach 800 Seemeilen an Land gehe, habe ich sieben Tage auf See verbracht. Angesichts der Strecke, die noch auf mich wartet, ist die Passage ein eher kurzer Strich auf der Landkarte, aber eben das erste Mal, dass ich überhaupt zur See fahre. Sieben Tage, die eigentlich zu wenig sind, um sich an einen neuen Lebensrhythmus zu gewöhnen, der vollkommen losgelöst von Tages- und Nachtzeit in 4 Stunden Wachschichten unterteilt ist, aber dennoch lang genug, um das Gleichgewichtsorgan so nachhaltig zu verwirren, dass der anschließende Landgang zur Wackelpartie wird. 168 Stunden, die absolut ausreichen, um festzustellen wie eng ein Raum ohne Rückzug sein kann, wenn ein Dauerkonflikt in der Führung der beiden Entscheidungsträger an Bord die Stimmung trübt. 10080 Minuten mit wildfremden Menschen auf engstem Raum und zu zweit in einer stickigen Koje, die in etwa der Größe meines Zeltes entspricht. 604800 Sekunden, in denen ich eine neue Sprache lernen konnte, die sich um Großschot, Genua, Backskiste, anluven, abfallen, eindampfen, fieren usw. dreht. Alles in allem also eine runde Sache mit vernachlässigbaren Unwuchten. Der erste Schritt weg vom Festland hin zur Atlantiküberquerung wäre also gemacht. Weiterlesen

Die FREIbeuter von Gibraltar.

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Es ist Sonntagmorgen und draußen im Hafen, wo das europäische Festland ins Meer übergeht, um nur 20 Kilometer weiter südlich als afrikanischer Kontinent wieder aus dem Wasser aufzusteigen, drängt sich eine handvoll Mittzwanziger, überwiegend osteuropäischer Herkunft, um einen Haufen Müll, der mit etwas Phantasie als Boot durchgehen kann.

Um an diesen Ort zu gelangen bin ich am Ende des Yachthafens nur unweit der teuren Schiffe über eine schulterhohe Mauer geklettert und von dort aus zwischen Fischkadavern und Abfällen den Weg entlang der Hafenmole in Richtung Wasser gelaufen. Genau so hatte man es mir am Abend zuvor auf eine Serviette aufgemalt. Der Novemberwind weht mir frisch ins Gesicht, ich trage Kapuzenpullover und Flip Flops. Ich nähere mich der losen Versammlung, die ihre großen Rucksäcke sowie Fundstücke aus dem Meer in ausgeliehenen Einkaufswagen transportiert.

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Funkhaus Europa

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Da ich mein Weihnachtsgeschenk in Form einer Mitsegelgelegenheit auf die Kapverden dieses Jahr schon etwas früher bekommen habe, konnte ich den letzten Funkhaus Europa Beitrag über meine Reise nur mit Verzögerung hören. Wem es genauso ging, oder wer das Bedürfnis verspürt meine Stimme zu hören, findet hier mehr!

Happy everything.

Beobachtung freilaufender Gedanken und anderer wilder Tiere.

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Seit einigen Tagen bekomme ich Nacht für Nacht Besuch von einem Bären, der in der Dunkelheit um mein Zelt schleicht. Zumindest in meinem Träumen. Eigentlich kein Wunder, denn mehr als einmal wurde ich gewarnt, dass es in den Pyrenäen freilebende Bären geben soll. Ratschläge dieser Art begegnen mir häufig. Nur selten spiegeln sie die Realität wieder, verraten mir aber mehr über Menschen und Gesellschaft als es meine Reiseführer je könnten. Schließlich haben wir alle unsere Ängste: Ost vor West, Nord vor Süd, Religion a vor Religion b, Schaf vor Wolf, Huhn vor Fuchs, die von hinter dem Berg vor denen von vor dem Berg und andersherum – in allen Farben und Ausprägungen. Daran gewöhnt man sich, denn die meisten können ja nichts dafür. Dagegen getan wird meistens leider auch nicht sonderlich viel, denn kaum einer macht sich die Mühe zu überprüfen, ob die Welt da draußen wirklich so ist wie man es sich erzählt. Dann werden Erwachsene schnell zu Kindern, die den Weg in den Keller scheuen, weil sie dort in der Dunkelheit böse Geister vermuten. Und auch im Falle der Pyrenäenbären hat niemand, der die Warnung aussprach, jemals einen zu Gesicht bekommen. Trotzdem ist man sich einig, dass es besser ist auf der Hut zu sein.

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Mit Buddha, Jesus und dem Elefantengott auf dem Jakobsweg. (II)

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Die ersten Kilometer in Richtung der spanischen Grenze und der Passhöhe Somport sind etwas zäh, denn bis zum Tunnel, der vor ein paar Jahren für den Transitverkehr erbaut wurde, teile ich mir die Straße mit LKWs und allem was einen Motor hat und nach Spanien will. Unter anderem auch mit einem niederländischen Mofaclub, der die Pyrenäen eingehüllt in eine blaue Wolke überqueren möchte. Ein Protestschild der Bevölkerung weist auf mehr als 7000 Fahrzeuge pro Tag hin und ich stimme zu, dass das zu viele sind für das kleine Tal. Weiterlesen

Herbst im Herzen Spaniens

Anfang Oktober erreiche ich nach einem Sprint durch Norspanien bei Kilometer 2500 die kleine Stadt Candeleda. Dort arbeite ich 2 Wochen im Vipassana Meditationszentrum.

Mit Buddha, Jesus und dem Elefantengott auf dem Jakobsweg. (I)

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„Pilgerst du auf dem Jakobsweg?“, fragt mich die Dame hinter der Theke einer Bäckerei, die ich am frühen Morgen irgendwo inmitten der französischen Pyrenäen betrete. Es ist nicht das erste Mal, dass man mir diese Frage stellt und im vorliegenden Fall geht es um ein Jakobsweg-Frühstücksmenü: Kaffee, Croissant, Banane zum Pilgerspezialpreis. Da Lügen morgens besonders anstrengend ist und ich meinen Pilgerstatus noch nicht final geklärt habe, entscheide ich mich für ein knappes: „Non“ . Die Frau mustert mich mit einem Lächeln und berechnet mir trotzdem den günstigeren Pilgerpreis. Ihre Reaktion überrascht mich, denn ich hörte, dass Reisenden ohne Pilgerausweis manchmal Vergünstigungen und der Einlass zu Herbergen verwehrt bleiben soll und ich überlege, ob es eine Geste des Mitleids ist oder ob die Dame vielleicht mehr in mir sieht, als ich über mein Verhältnis zum Pilgern weiß. Bei einer Tasse Jakobs-Krönung schweift mein Blick über die muschel- und kreuzbehangenen Pilgerer, die sich auf den Showdown, die letzten paar Hundert Kilometer auf der Pilgerautobahn, wie es einer von ihnen nannte, vorbereiten. Die meisten sind sehr gut ausgestattet, denn auch die Industrie hat längst auf den Trend reagiert und schlecht gekleidet pilgert es sich nur halb so gut. Ich frage mich, was sie wohl suchen mögen? Sündenablass, Sinn, Entschleunigung und Stille oder vielleicht einfach die körperliche und geistige Herausforderung des Unterwegsseins. Sie werden ihre Gründe haben. Doch was ist mit mir, bin ich nun einer von ihnen? Ich besitze weder einen Pilgerausausweis noch Muschel oder Kreuz und glaube eigentlich immer noch daran, dass ich eher zufällig im Fahrwasser des heiligen Jakobus gelandet bin. Gibt es denn Zufälle überhaupt? Weiterlesen

Mit (fast) allen Wassern gewaschen.

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Schon beim Blick auf die Karte fällt auf, dass Frankreich ein gutes Stück größer ist als Deutschland. Angeblich fast doppelt so groß. Obwohl es mehr Platz gibt, leben dort um einiges weniger Menschen als bei uns. Viele der kleinen gratis Tourismuskarten, für die ich in den letzten Wochen ein Faible entwickelt habe, werben allzu oft mit Urlaub in ländlichen, naturbelassenen Regionen. Ich finde das hervorragend, folge den grünen Flecken auf der Landkarte in Richtung Süden und nächtige dort regelmäßig auf Schlafplätze im gehobenen wildcamp Segment. Dies bedeutet: wenig Menschen, nach Möglichkeit geschützt am Waldrand, nicht einsehbar von der Straße und wenn ich es mir aussuchen darf, dann auch gern mit See- oder Flusszugang. Das gefällt scheinbar auch den Waldbewohnern, denn ich bekomme nach wie vor regelmäßig nächtlichen Besuch, habe aber meinen Frieden damit gefunden, denn die meisten Wald- und Wiesenbewohner haben wenig Interesse an meiner Plastikhöhle und mir. Mal davon abgesehen, bin ich ja zu Gast in ihrem Zuhause und versuche auch, mich auch so zu verhalten. Weiterlesen

Die Zeit heilt alle Wunder.

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Manchmal fragt man sich, ob es noch Wunder gibt. Vielleicht ist es eher die Fähigkeit sie zu erkennen, denn eigentlich ist die Welt voll davon. Eines davon ist für mich definitiv die Anpassungsfähigkeit des Körpers. Dieses Konglomerat an Zellen, das sich an nahezu alle Widrigkeiten, gutes und weniger Gutes anpassen kann. Im Fokus meiner Beobachtung steht die Metamorphose meines Gesäßes, die ziemlich genau nach drei Wochen vollzogen ist. Solange würde ich sagen braucht ein durchschnittlicher Bürohintern, um sich von den Irritationen einer täglichen Dosis von etwa vier bis sechs Stunden im Fahrradsattel zu erholen und einmal neu bezogen zu werden. Bis dahin bleibt nicht viel außer achtsam ausharrend die Sitzposition in Millimeter Schritten zu verändern, um sicher zu stellen, dass alle Zellen gleichmäßig auf Tuchfühlung gehen und die frohe Kunde der Veränderung mitbekommen. Für mich hat sich gezeigt, dass weniger Tuch definitiv mehr ist, weswegen Radhosen und dergleichen schon seit Jahren in meinen Taschen vergeblich zu suchen sind. Gut durchblutet erlebe ich die in meiner Erinnerung heißeste Periode seit langem auf den wohlig warmen Straßen der Champagne in Nordfrankreich, wo es besonders eines gibt: Landschaft. Weiterlesen

Unten am Fluss.

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Dem Geheimweg der Butterländler durch Belgien folgend, erreiche ich an einem durchaus sommerlichen Augusttag Liège (gespr. Lieähsch) und mache dort Bekanntschaft mit dem Fluss Meuse (gespr. Mööhs), deren Tal mich bis nach Frankreich tragen soll. Das ich die folgenden 1000 Kilometer vornehmlich an Flüssen und Kanälen zurücklegen werde, ist zu dem Zeitpunkt noch ungewiss. Zu Flusse zu radeln bringt gleich mehrere Vorteile mit sich. So haben sich die Wassermassen über Jahrmillionen hinweg durch die Landschaft gegraben und folgen dem Weg des geringsten Widerstandes, was mir momentan sehr entgegenkommt. Außerdem bietet sich je nach Abstand zur örtlichen Industrie und/oder Großstadt auch die Möglichkeit der körperliche Erfrischung und im übrigen sind die Fluss’ler im allgemeinen ein entspannter Schlag Mensch. Nach wenigen Biegungen erreiche ich das umstrittene, in der Abendsonne erstrahlende Atomkraftwerk Tihange (gespr. Tieohnsch). Im Ort dahinter ist Volksfest und wenn man will kann man bei Zuckerwatte, Hau den Luc und Riesenrad auch über die im Hintergrund rauchenden Kühltürme hinwegsehen und sich darüber freuen, dass unsere vielen kleinen und großen elektronischen Helfer Saft zum Leben haben. Weiterlesen

Mit der Telefonzelle durch Butterland.

Man könnte denken ich sollte wissen was es braucht, um den Alltag in vier Taschen zu packen und mit dem Fahrrad längere Strecke zu bereisen. Bin ich denn nicht nach Indien gefahren und habe fast ein Dutzend mal die Alpen auf dem Drahtesel überquert?

Momentan fühlt es sich nicht so an. Ansonsten dürfte dieses Gefährt mit dem Windwiderstand einer Telefonzelle unter meinen Beinen doch nicht so schwer sein. So muss ich schon nach den ersten 20 Kilometern am Dreiländereck, zu meiner Rettung die höchste Erhebung ganz Hollands, auf den Rettungsring (1.Gang) zurückgreifen. Während ich mein Rad Zahn um Zahn über diesen Hügel in Richtung Belgien hieve und mich von elegant rasierten, modisch gekleideten Herren und Damen im aeroben Bereich überholen lasse, stelle ich fest, dass ich Deutschland wie selbstverständlich verlassen habe. Auf dem von mir intuitiv gewählten grünen Grenzübergang, den wohl nur Radfahrer, Spaziergänger und lichtscheues Gesindel nutzen, gab es kein Grenzschild, kein Auf Wiedersehen kein Einreisestempel. Weiterlesen

Anpfiff.

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Die Taschen gefüllt mit Dingen, die ich denke zu benötigen, der Kopf voll und doch so leer, die Beine zittirig als erahnten sie was kommen mag. So oder so ähnlich startet das Unternehmen Stille Post eines Morgens in einem verschlafenen Nest nahe der niederländischen Grenze am Haus meiner Eltern. Bewusst habe ich diesen Ort gewählt, weil hier alles begann.

Dort habe ich mich in den letzten Tagen verschanzt, gelacht, geweint, gesungen, geschwiegen, geschraubt, gebastelt, mit Versicherungen gerungen, einen Baum gepflanzt und darüber beinahe vergessen, dass der wichtigste Schritt zum Losfahren eben das Losfahren ist.

Von Vorne sehen Abschiede oft traurig aus. Mal schauen welches Bild sich zeichnet, wenn die ersten Kilometer gerollt sind, die erst Nacht alleine Draussen überstanden ist und mein Blick frei wird, um die kleinen und großen Wunder am Rande des Weges zu entdecken.

Bis es also Geschichten über Fernradlerromantik, Dosenravioli und Gesäßschmerzen geben kann, muss ich diese erst einmal erleben, mich sortieren und herausfinden in welcher Tasche eigentlich die Zahnbürste versteckt ist.

Sobald ich das geklärt hab, melde ich mich.

Bis dahin, genieß deinen Sommer!

Philipp

Hallo Welt!

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…schön, dass du vorbei schaust. Noch ein mal schlafen und die Reise beginnt.

Falls Du schon mehr über die Reise wissen möchtest, dann kannst Du hier in den Artikel der Aachener Zeitung lesen und hier in den Funkhaus Europa Beitrag reinhören.

Viel Spass damit!