Die Eroberung des Unnützen (II) – Hafengeflüster

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Genau wie ihre staubigen Verwandten an Land, folgen auch die großen Wasserstraßen, auf denen ich über den Atlantik reise, historisch geprägten Orten. Einst errichtet von mutigen Händlern, Konquistadoren und Entdeckern, waren sie überlebensnotwendige Oasen in der menschenfeindlichen Umgebung der Ozeane. Angeblich hat Kolumbus auf der gleichen Route Amerika entdeckt. Unter Seglern wird sie verniedlicht „Barfußroute“ genannt, denn die Nähe zum Äquator erlaubt Schuhfreiheit. Auch viele hundert Jahre, nachdem die großen Namen wie Kolumbus, Magellan oder Cortez hier lang fuhren, sind Nadelöhre wie die Kanaren, die Kapverden oder die karibischen Inseln, noch immer Anlaufstelle für all jene, die mit dem Wind reisen.

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Die Eroberung des Unnützen (I)

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Als ich auf den kanarischen Inseln nach 800 Seemeilen an Land gehe, habe ich sieben Tage auf See verbracht. Angesichts der Strecke, die noch auf mich wartet, ist die Passage ein eher kurzer Strich auf der Landkarte, aber eben das erste Mal, dass ich überhaupt zur See fahre. Sieben Tage, die eigentlich zu wenig sind, um sich an einen neuen Lebensrhythmus zu gewöhnen, der vollkommen losgelöst von Tages- und Nachtzeit in 4 Stunden Wachschichten unterteilt ist, aber dennoch lang genug, um das Gleichgewichtsorgan so nachhaltig zu verwirren, dass der anschließende Landgang zur Wackelpartie wird. 168 Stunden, die absolut ausreichen, um festzustellen wie eng ein Raum ohne Rückzug sein kann, wenn ein Dauerkonflikt in der Führung der beiden Entscheidungsträger an Bord die Stimmung trübt. 10080 Minuten mit wildfremden Menschen auf engstem Raum und zu zweit in einer stickigen Koje, die in etwa der Größe meines Zeltes entspricht. 604800 Sekunden, in denen ich eine neue Sprache lernen konnte, die sich um Großschot, Genua, Backskiste, anluven, abfallen, eindampfen, fieren usw. dreht. Alles in allem also eine runde Sache mit vernachlässigbaren Unwuchten. Der erste Schritt weg vom Festland hin zur Atlantiküberquerung wäre also gemacht. Weiterlesen

Die FREIbeuter von Gibraltar.

Seemannklein

Es ist Sonntagmorgen und draußen im Hafen, wo das europäische Festland ins Meer übergeht, um nur 20 Kilometer weiter südlich als afrikanischer Kontinent wieder aus dem Wasser aufzusteigen, drängt sich eine handvoll Mittzwanziger, überwiegend osteuropäischer Herkunft, um einen Haufen Müll, der mit etwas Phantasie als Boot durchgehen kann.

Um an diesen Ort zu gelangen bin ich am Ende des Yachthafens nur unweit der teuren Schiffe über eine schulterhohe Mauer geklettert und von dort aus zwischen Fischkadavern und Abfällen den Weg entlang der Hafenmole in Richtung Wasser gelaufen. Genau so hatte man es mir am Abend zuvor auf eine Serviette aufgemalt. Der Novemberwind weht mir frisch ins Gesicht, ich trage Kapuzenpullover und Flip Flops. Ich nähere mich der losen Versammlung, die ihre großen Rucksäcke sowie Fundstücke aus dem Meer in ausgeliehenen Einkaufswagen transportiert.

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Funkhaus Europa

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Da ich mein Weihnachtsgeschenk in Form einer Mitsegelgelegenheit auf die Kapverden dieses Jahr schon etwas früher bekommen habe, konnte ich den letzten Funkhaus Europa Beitrag über meine Reise nur mit Verzögerung hören. Wem es genauso ging, oder wer das Bedürfnis verspürt meine Stimme zu hören, findet hier mehr!

Happy everything.