Mut zur Endlichkeit (III) – Metamorphose.

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„Die Metamorphose (griech. μεταμόρφωσις = Verwandlung), auch Metabolie (griech. μεταβολή = Veränderung), ist in der Zoologie die Umwandlung der Larvenform zum Adultstadium, dem geschlechtsreifen, erwachsenen Tier (Gestaltwandel).“ Wikipedia

Zielstrebig bahne ich mir meinen Weg über den Plaza Major del Cusco, auf dem sich in der Nachmittagssonne die Touristen tummeln. Für alle, die daran Geld verdienen, rollt jetzt der Rubel. Ein Mann macht mich hartnäckig auf sein Sortiment aus gefälschten Sonnenbrillen und Selfie Sticks aufmerksam. Im Schatten der Kirche eile ich vorbei an den traurigen Damen, die mit Prospekten in der Hand auf ihr Angebot hinweisen: „Nice massage, good price.“ Mit wenigen Schritten umrunde ich eine Gruppe Asiaten. Kameras klicken wild durcheinander. Fast habe ich die andere Seite des Platzes erreicht, als zwei Touranbieter, bewaffnet mit Bildern von glücklichen Touristen am Machu-Pichu, gleichzeitig auf mich losgehen. Ich drücke mich in einen Hauseingang, aus dem mir frischer Kaffeegeruch entgegen weht. Kurz darauf steht ein dampfender Cappuccino vor mir, in dessen Milchschaum die Bedienung ein Herz gemalt hat. Weiterlesen

Mut zur Endlichkeit (II) – Die Heldenreise.

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Fortzetzung von Mut zur Endlichkeit: Eine Annährung.

Mit einem Moment Verzögerung ergießt sich eine Lawine aus Ängsten über das mühsam erbaute Kartenhaus stiller Beobachtung. Dazu reichen also zwei Worte. Mein Kopf fühlt sich an wie ein verschlossener Hühnerstall, in dem der Fuchs zu Besuch ist. Gedanken fliegen wild durcheinander und vom Magen breitet sich eine Enge aus, die kaum Raum zum Atmen lässt. Aus der Unruhe formen sich Fragen wie: Warum denn ich? Ich wollte doch noch… Wann genau denn? Kann ich vorher nicht noch mal…? Weiterlesen

Mut zur Endlichkeit (l) – Eine Annäherung.

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Mit zitternden Fingern taste ich in der Dunkelheit nach dem Handy. Verdammt kalt hier drin. Der Schein des Displays erhellt die Innenseite des Zelts und lässt das gefrorene Kondenswasser glitzern wie im Inneren einer Discokugel. Entgegen meiner Vermutung, es sei bereits früher Morgen, habe ich nur wenige Stunden geschlafen, es ist gerade einmal 0:30. Der kälteste Teil der Nacht liegt also noch vor mir und mein Sommerschlafsack gibt nicht viel Grund zur Hoffnung auf eine gemütliche Zeit bis zum Morgengrauen. Ein aus Atemluft geformter Seufzer verlässt meinen Mund und schwebt als Wolke durchs Zelt. Verdammt kalt hier drin! Weiterlesen

Die Gesichter einer Realität.

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Das offene Ende der Röhre, in der ich mich befinde, umrahmt die milchig trüb-nasse Welt außerhalb meines Unterschlupfs. Nur knapp 200 Kilometer vor der peruanischen Grenze entfernt, mitten im bergigen Niemandsland, war jemand so nett diesen Fremdkörper zurück zu lassen. Gemütlich wäre in dem Zusammenhang wohl der falsche Begriff, aber im Vergleich zu Draußen gewinnt die Röhre zwangsläufig an Charme. Seit Anbruch des Tages sieht der Himmel recht unverändert aus. Weiterlesen