Zum Geburtstag: Ein Vulkan.

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Mit einem zzzzzzzzzzt öffne ich den Reisverschluss meines Zeltes und schaue in Tarzans dunkle Augen. Neben ihm drängen sich Chacho, Mariposa und Pepa ins Bild. Dahinter entdecke ich in der Morgendämmerung unsere Gastgeberin Muriel auf einem kleinen Schutthaufen, den Blick zum großen Vulkan gewandt, der San Pedro überragt. Sie hatte mir versprochen, die Sonne würde an meinem Geburtstag genau aus der Spitze des Vulkans schlüpfen. Heute also. Neugierig gehe ich rüber. Eingehüllt in einen dicken Wollpullover steht sie mit einer dampfenden Tasse in der linken Hand und Katze Yin in der anderen Hand neben mir. Gemeinsam blicken wir zur Vulkanspitze. Ein irrer Moment. Dann passiert es. Ein Kopfschütteln, dann ein Lächeln. Keine Ahnung wie sie das gemacht hat. Happy Birthday. Weiterlesen

Vom Winde verweht.

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Ich wache auf, weil mir irgendetwas Warmes über das Gesicht läuft. Draußen ist es noch dunkel. Im Schein der Stirnlampe stelle ich erschrocken fest, dass meine linke Hand voller Blut ist. Habe ich im Schlaf etwa Ross umgebracht? Die Panik verfliegt als ich meinen Kopf zur Seite drehe und damit in Ross‘ weit geöffneten Mund schaue. Sein Atem riecht nach Kopfweh bzw. Rotwein und ich kann förmlich spüren wie ein kleiner Kater seine Krallen nach mir ausstreckt. Weiterlesen

Hungrig im Kühlschrank.

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Einsam stehen zwei Zelte in der weiten Talsohle, umgeben von nichts als Sand, kleinem Buschwerk und einem fast ausgetrockneten Fluss. Das Wasser liegt trotz der herauf eilenden Morgensonne tiefgefroren und bewegungslos da, als hätte die Winternacht ein frostiges „Ich-war-hier“ an den Tag hinterlassen wollen. Bis zum Sonnenaufgang hörte ich meinen Zeltnachbar gelegentlich über die Kälte fluchen. Jetzt klappert Geschirr und meine Phantasie malt ein Bild des dampfenden Frühstücks, dem ich sehnsüchtig entgegenfieber. Weiterlesen

[Gem]Einsam durch die Wüste.

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Sichtlich gelangweilt sieht mein britischer Freund von seinem Teller zu mir auf, wo ein Viertel Grillhuhn und die schlaffsten Pommes südlich des Äquators um Trostlosigkeit wetteifern. Während er eine weitere Gabel schmatzend in sich hinein befördert, fragt er: „Wen willst Du in San Pedro de Atacama eigentlich besuchen?“ Worauf ich ein knappes „Ne‘ Freundin“ herausbringe. Mit vollem Mund hakt er nach: „Eine Freundin. Uuuund?“
„Naja sie hat mir vor ziemlich genau neun Jahren in Indien einmal das Leben gerettet.“ Weiterlesen

Mut zur Endlichkeit (III) – Metamorphose.

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„Die Metamorphose (griech. μεταμόρφωσις = Verwandlung), auch Metabolie (griech. μεταβολή = Veränderung), ist in der Zoologie die Umwandlung der Larvenform zum Adultstadium, dem geschlechtsreifen, erwachsenen Tier (Gestaltwandel).“ Wikipedia

Zielstrebig bahne ich mir meinen Weg über den Plaza Major del Cusco, auf dem sich in der Nachmittagssonne die Touristen tummeln. Für alle, die daran Geld verdienen, rollt jetzt der Rubel. Ein Mann macht mich hartnäckig auf sein Sortiment aus gefälschten Sonnenbrillen und Selfie Sticks aufmerksam. Im Schatten der Kirche eile ich vorbei an den traurigen Damen, die mit Prospekten in der Hand auf ihr Angebot hinweisen: „Nice massage, good price.“ Mit wenigen Schritten umrunde ich eine Gruppe Asiaten. Kameras klicken wild durcheinander. Fast habe ich die andere Seite des Platzes erreicht, als zwei Touranbieter, bewaffnet mit Bildern von glücklichen Touristen am Machu-Pichu, gleichzeitig auf mich losgehen. Ich drücke mich in einen Hauseingang, aus dem mir frischer Kaffeegeruch entgegen weht. Kurz darauf steht ein dampfender Cappuccino vor mir, in dessen Milchschaum die Bedienung ein Herz gemalt hat. Weiterlesen

Mut zur Endlichkeit (II) – Die Heldenreise.

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Fortzetzung von Mut zur Endlichkeit: Eine Annährung.

Mit einem Moment Verzögerung ergießt sich eine Lawine aus Ängsten über das mühsam erbaute Kartenhaus stiller Beobachtung. Dazu reichen also zwei Worte. Mein Kopf fühlt sich an wie ein verschlossener Hühnerstall, in dem der Fuchs zu Besuch ist. Gedanken fliegen wild durcheinander und vom Magen breitet sich eine Enge aus, die kaum Raum zum Atmen lässt. Aus der Unruhe formen sich Fragen wie: Warum denn ich? Ich wollte doch noch… Wann genau denn? Kann ich vorher nicht noch mal…? Weiterlesen

Mut zur Endlichkeit (l) – Eine Annäherung.

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Mit zitternden Fingern taste ich in der Dunkelheit nach dem Handy. Verdammt kalt hier drin. Der Schein des Displays erhellt die Innenseite des Zelts und lässt das gefrorene Kondenswasser glitzern wie im Inneren einer Discokugel. Entgegen meiner Vermutung, es sei bereits früher Morgen, habe ich nur wenige Stunden geschlafen, es ist gerade einmal 0:30. Der kälteste Teil der Nacht liegt also noch vor mir und mein Sommerschlafsack gibt nicht viel Grund zur Hoffnung auf eine gemütliche Zeit bis zum Morgengrauen. Ein aus Atemluft geformter Seufzer verlässt meinen Mund und schwebt als Wolke durchs Zelt. Verdammt kalt hier drin! Weiterlesen

Die Gesichter einer Realität.

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Das offene Ende der Röhre, in der ich mich befinde, umrahmt die milchig trüb-nasse Welt außerhalb meines Unterschlupfs. Nur knapp 200 Kilometer vor der peruanischen Grenze entfernt, mitten im bergigen Niemandsland, war jemand so nett diesen Fremdkörper zurück zu lassen. Gemütlich wäre in dem Zusammenhang wohl der falsche Begriff, aber im Vergleich zu Draußen gewinnt die Röhre zwangsläufig an Charme. Seit Anbruch des Tages sieht der Himmel recht unverändert aus. Weiterlesen

Ecuador (I) – Bruder Plattfuß und der Regen.

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Vor mir und Crisa, der Lehrerin bei der ich gerade wohne, stehen zwei Fahrräder und eine Hand voll Kinder mit langen Zöpfen. An diesen besonderen Ort, hoch oben auf 3200 Metern, wurde ich eingeladen, um den Schulkindern der indigenen Gemeinschaft in den ecuadorianischen Anden von meiner Reise zu erzählen und ihnen zu erklären wie man ein Fahrrad repariert. Das dachte ich zumindest. Denn erst als ich dort bin erfahre ich, dass es in der Welt aus der sie jeden Morgen hierher kommen und in die sie abends zurückkehren gar keine Fahrräder gibt.

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Unter Fremden und Freunden.

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Es ist einer dieser kalten Abende, die im März noch vorkommen können. Draußen donnert es und es fühlt sich an, als regnete es schon seit Jahren. Wann der Frühling wohl endlich kommen mag? Die Zeitung liegt aufgeschlagen auf dem Tisch und mit Ärger stellst Du fest, dass die große alte Uhr an der Wand schon wieder falsch geht. Während deine Augen über das traurige Papier gleiten fragst Du dich, wo die Sorglosigkeit und Leichtigkeit frühere Jahre geblieben ist. Ein Klingeln an der Tür bahnt sich den Weg Durch das Geräusch prasselnder Regentropfen am Fenster und die Schicht trüber Gedanken in deinem Kopf. Weiterlesen

Cosmo Radio

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Seit einigen Tagen drehen sich die Räder meines Recyclingfahrrades nun auf den Straßen Kolumbiens. Pünktlich zur Begrüßung gab es ein Interview mit Cosmo (ehemals Funkhaus Europa) im WDR Radio. Den Mitschnitt findest Du hier.